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Vergaser reinigen
"Kanal-Reiniger"
Vergaser sind hochsensible
Bauteile.
Besonders empfindlich reagieren sie auf Dreck.
Hustet und
spuckt der Motor, ist es an der Zeit,
die Mischfabrik gründlich
durchzublasen.
Text&Fotos: Winni Scheibe
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"Sechs Zylinder - sechs Vergaser"
Der CBX-Motor läuft nur rund, wenn die Vergaser einwandfrei funktionieren
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Motoren
können manchmal nerven. Schlechtes Anspringen ist ein Alarmzeichen.
Zündaussetzer, ungleichmäßiger Leerlauf und wer weiß was noch für
Ungereimtheiten bringen den Biker ganz schön in Stress. Dabei wurden
alle Inspektionen gewissenhaft immer erledigt. Streikt das Aggregat
trotzdem, steckt der "Wurm" vermutlich in der Vergaseranlage.
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"Vergaser-Durchblick"
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Bei
den Autos ist diese Apparatur längst aus der Mode gekommen. Moderne
Einspritzanlagen in Verbindung mit schadstoffmindernden G-Kats haben
ihren Platz eingenommen. Strenge gesetzliche Abgasvorschriften machen im
PKW-Bereich diese Systeme zwingend notwendig. Bei Motorrädern erscheint
dies für einen Großteil der Hersteller (noch) nicht erforderlich.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen verrichten weiterhin antiquierte Vergaser
ihren Dienst. Die Bandbreite reicht vom einfachen Rundschieber-Vergaser
über Gleichdruck-Vergaser bis hin zu hochmodernen
Flachschieber-Rennvergasern. So unterschiedlich und aus welcher Epoche
die Mix-Apparatur auch ist, eines haben alle gemeinsam: sie sollen den
Motor in jedem Drehzahlbereich und unter allen Betriebszuständen mit
dem richtigen Kraftstoff/Luft-Gemisch versorgen. Was richtig ist,
schreiben chemische Zusammenhänge vor. Für eine optimale Verbrennung
im Zylinderkopf muss zu einem Kilogramm handelsüblichen Kraftstoffes 14,7
Kilogramm Luft zugemischt werden. Dieses Verhältnis wird als Lambda=1
bezeichnet.
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Amal-Vergaser von der 500er Velocette
Venom Thruxton
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Um
annähernd diesen Idealzustand zu erreichen (moderne Vergaser schaffen
dies aber nur selten!), müssten und müssen sich die
Vergaser-Konstrukteure immer wieder was Neues einfallen lassen.
Genügten im frühen Fahrzeugbau einfache Vergaser mit simplen
Düsen-Systemen, wuchsen die Ansprüche im Laufe der Zeit und mit
Weiterentwicklung der Triebwerke gewaltig. Egal bei welcher
Außentemperatur, es wird immer ein gutes Startverhalten gefordert. Im
Leerlauf-, Teillast- und Volllastbereich sollte der Motor gut am Gas
hängen, beim Beschleunigen soll er sich nicht verschlucken, tief in
Tälern und hoch oben auf Bergen, da, wo die Luft dünn ist, immer noch
einwandfrei laufen.
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Dell´Orto-PHM-40-Rundschieber-Vergaser
der Ducati 750 SS
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Diese
Anforderungen machten den Vergaser immer aufwändiger. Für Laien ist er
inzwischen fast undurchschaubar. Ein Blick ins Innere macht die
Verwirrung perfekt. Winzige Bohrungen, enge Kanalverbindungen, viele
unterschiedliche Düsen, verstellbare Düsennadeln, kleine Ventile,
Schwimmer, Membranen, Pumpen, Federn, Hebel, etliche
Einstellschräubchen und vieles mehr machen das Gebilde zu einem
hochkomplizierten Bauteil. Die Zeit, in der sich Vergaser-Anlagen "nach
Gehör" synchronisieren und exakt einstellen ließen, gehört
längst der Vergangenheit an. Moderne Messgeräte sind für die
Einstellarbeiten erforderlich.
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Aber
nicht nur falsch justierte Vergaser sind für schlechten Motorlauf
verantwortlich, auch Schmutz in der Misch-Fabrik bewirken Chaos. Sind
Kanäle mit Ablagerungen verstopft oder hindern winzige Schmutzpartikel
den freien Düsendurchfluss, kann die Gemischaufbereitung ganz schön
durcheinanderkommen. Das Gemisch magert ab, der Motor hustet und spuckt.
Im schlimmsten Fall kann es zu einem kapitalen Triebwerkschaden kommen.
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"Fingerspitzengefühl"
Vergaser synchronisieren |
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Vergaser-Reinigungsaktion am Beispiel einer
Honda GL 500 Silver-Wing von 1983
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Honda GL 500 |
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Gehörte
"früher" die Vergaserreinigung zum kleinen Einmaleins des
Motorradfahrers - in jeder Betriebsanleitung war diese Arbeit
detailliert beschrieben - sorgen bei "modernen" Maschinen
feine Luftfilter für saubere Atemluft und machen die Putzaktion
weitgehend überflüssig. Verschmutzte oder verharzte Vergaser sind aber
beileibe keine Seltenheit. Besonders, wenn die Maschine eine Ewigkeit in
der Ecke stand und man den Kraftstoff aus den Schwimmerkammern nicht
abgelassen hat. Der Sprit verflüchtigt sich nämlich nicht samt und
sonders in der Luft. Rückstände bleiben übrig und setzen sich
hartnäckig im letzten Winkel fest.
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Die Ansauggummis können brüchig sein
oder feine haarrisse haben
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Für
eine gewissenhafte Säuberungsaktion ist es ratsam, die Anlage
abzubauen. Eine allgemeine Arbeitsanleitung für die Demontage lässt
sich allerdings kaum geben. Bei manchen Maschinen ist das Bauteil im Nu
abschraubt. Bei anderen Bikes müssen zunächst Tank, Sitzbank,
Seitendeckel, Batterie, Luftfilterkasten und wer weiß was sonst noch
abmontiert werden, um überhaupt an den Vergaser zu kommen. Gas- und
Chokezug werden ausgehangen und die Entlüftungsschläuche abgezogen.
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Beim Ausbau der Vergaser sorgfältig
Choke- und Gaszüge aushängen
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Zum Zerlegen wird die Anlage auf
die blitzblank saubergewischte Werkbank gelegt. Im Rahmen dieser Arbeit
sollte man unbedingt ein Augenmerk auf die Ansauggummis und Anschlussstücke
zum Luftfilterkasten legen. Hat das Bike bereits einige Jahre auf dem
Buckel, sind fast immer die Gummis brüchig oder bereits eingerissen.
Sie müssen unbedingt erneuert werden. Löcher in den Ansauggummis
können verheerende Folgen mit sich bringen. Der Motor zieht Nebenluft,
magert ab und kann Schaden nehmen.
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Doch
zurück zur Misch-Apparatur. Ungeübten Schraubern sei empfohlen, sich
beim Zerlegen genaue Aufzeichnungen zu machen, wo welche Düse oder
welches Einstellschräubchen eingeschraubt war. Liegt die "Fabrik"
in allen Einzelteilen auf der Werkbank, gehts ans große Reinemachen.
Mit welchen Mittelchen oder Flüssigkeiten der Restaurateur der
Apparatur zu Leibe rückt, ist sehr unterschiedlich. Manche Verfahren
werden wie Geheimtipps gehandelt. Kein Geheimtipp - bitte dies nicht als
Schleichwerbung betrachten - ist die Vergaser-Reinigungsflüssigkeit von
Yamaha (Werkzeug-Best. Nr.: 90890-70072, Preis ca. 50 Euro pro Liter).
Diesen Saft als Wundermittel zu bezeichnen, ist sicherlich nicht
übertrieben. Im Verhältnis ein Teil Reiniger zu drei Teilen Benzin
werden beide Flüssigkeiten in einer Schüssel zusammengemixt und die
Bauteile über Nacht darin eingeweicht.
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Was
man am anderen Tag aus dem Bottich angelt, kann sich sehen lassen. Nicht
nur, dass die Düsen blitzblank blinken und alle Ablagerungen im
Vergaser verschwunden sind, auch die Außenflächen des Vergasers sind
tadellos sauber. Zur Nachreinigung werden die Teile mit frischem Benzin
abgewaschen und anschließend mit Druckluft abgeblasen. Hierbei aber
bitte aufpassen, dass einem die kleinen Düsen nicht zwischen den
Fingern wegfliegen.
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Alles ist wieder "blitz-blank"
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Nach
Auskunft von Yamaha ist der Reiniger zwar sehr hautaggressiv und darf
auf keinen Fall in die Augen gelangen, dafür greift er aber keine
Vergaserbauteile aus Kunststoff oder Gummi an. Nach der Prozedur ist es
ratsam, die kostbare Brühe zum Beispiel durch einen Kaffeefilter in
einen sauberen Behälter zu schütten. Gut verschlossen bleibt die
Reinigungskraft erhalten, und die Mixtur lässt sich bei der nächsten
Gelegenheit erneut verwenden. Wird die Flüssigkeit nicht mehr
benötigt, muss man sie als Sondermüll entsorgen!
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Die Teile werden mit frischem Benzin
abgewaschen
und anschließend mit Druckluft abgeblasen
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Sind
irgendwelche Vergaserdichtungen beschädigt, werden sie
selbstverständlich erneuert. Beim Einschrauben der Düsen ist darauf zu
achten, dass sie lediglich nur "handfest" gezogen werden. Wer
die Düsen zu kräftig festknallt, hat schnell ein Gewinde überdreht.
Welches Bauteil beim Zusammenbau mit Montagefett eingeschmiert werden muss,
lässt sich aus dem Werkstatthandbuch entnehmen. Das Gleiche gilt für
das Schwimmerstand-Einstellmaß und die Grundeinstellung der
Gemischregulierschraube. Bei Mehrvergaseranlagen ist es ratsam, den
Schiebergleichlauf vor dem Einbau zu überprüfen und gegebenenfalls
anzupassen.
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Nach der Kur läuft die Honda GL 500
wieder wie ein Uhrwerk
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Ist
die Anlage zusammengeschraubt und angebaut, wird sie abschließend
eingestellt. Hierfür müssen die genauen Daten - die von Maschine zu
Maschine unterschiedlich sind - vorliegen. Sie stehen im
Werkstatthandbuch oder lassen sich in der Fachwerkstatt erfragen.
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